Die Crytek-Krise

Ich fange diese Kolumne ehrlich an: Ich bin nicht der größte Fan von Crytek. Ob Far Cry oder Crysis, die PC-Anfänge sind an mir vorbeigezogen. Far Cry Instincts Predator war der erste Crytek Titel, den ich auf der Xbox 360 gespielt habe. Bei Crysis habe ich sogar erst mit dem dritten Teil den Einstieg nachgeholt. Die Titel waren nett, haben aber nicht meinen Geschmack getroffen. Obwohl sie zweifelsfrei Qualität besaßen. Auf der Xbox One habe ich dann den Launch-Titel Ryse: Son of Rome gespielt. Das Spiel wurde in der Fachpresse zwar zerrissen, aber ich fand es besser als die Wertungen es vermuten ließen. Aber auch Ryse war für mich kein Topspiel. Darum habe ich Crytek auch nie als „das“ spitzen Studio wahrgenommen, obwohl der Ruf von Crytek genau dieser ist. Jetzt scheint das Unternehmen in finanziellen Schwierigkeiten zu sein und ich frage mich, was für Auswirkungen das Ende von Crytek auf die Branche und die Spieler hätte?

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Laut der letzten Zahl, die ich gehört habe, beschäftigt Crytek ca. 800 Mitarbeiter weltweit. Diese sind natürlich die ersten Betroffenen der Krise. Schon jetzt gibt es Berichte, dass Gehälter nicht pünktlich gezahlt wurden. Und jeder, der auf sein Gehalt angewiesen ist, wird verstehen wie schwierig diese Situation ist. Ich halte 800 Mitarbeiter aber auch für eine zu große Masse, wenn man den Spiele-Output von Crytek betrachtet. Jeder Titel ist dazu verdammt haushohe Verkaufszahlen zu erzielen, damit der Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten werden kann. Hier hat man sich, meines Erachtens nach, verkalkuliert. Beziehungsweise, hat sich zu viel vorgenommen. Anstatt langsam zu expandieren, wollte man schnellen Erfolg. Nachdem man die Rechte an Far Cry für gutes Geld an UbiSoft verkauft hat, dachte man wohl, es laufe so weiter. Da hat man sich aber leider getäuscht.

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Einen weiteren Fehler beging man, meines Erachtens nach, mit der Fokussierung auf den Free2play-Markt. Das Projekt auf dem die Hoffnung lag ist hier Warface, ein Multiplayer-Shooter. Das Problem ist nicht nur die starke Konkurrenz auf dem Markt, von Call of Duty bis Battlefield, sondern auch die Tatsache, dass die Qualität des Titels einfach nicht ausreichend ist. Unsere Freunde von der GamePro haben den Titel mit 59% bewertet und nachdem ich das Spiel auf der Xbox 360 gespielt habe, kann ich diese Wertung bestätigen. Schwache Grafik, schlechtes Balancing und ein unzureichender Netcode zeichnen den Crytek-Titel aus. In Russland scheint Warface ein Renner zu sein, aber darum kann man nicht erwarten, das funktioniere in der ganzen Welt so einfach. Free2play als Zukunft zu verkaufen, hätte auch nicht sein müssen. Als zweites Standbein hätte es funktionieren können, aber den Spielern, die einen aufgebaut haben, zu sagen, die Zukunft liege für die Firma nicht mehr bei ihnen, ist aus Marketing-Sicht einfach sinnlos. Es ist als würde der FC Bayern München sagen, die Zukunft liege im Basketball.

 

Aktuell hat Crytek eine Finanzspritze erhalten, da sie die Rechte für Homefront an Koch Media verkauft haben. Auch das dazugehörige Studio Crytek UK wurde im Paket mit verkauft. Interessant hieran ist, dass Crytek die Lizenz noch nicht lange besitzt. Die Marke Homefront ging nach der Insolvenz von Publisher THQ an Crytek. Naheliegendste Frage: Warum hat Crytek die Lizenz erworben, wenn man es finanziell nicht stemmen kann? Man hat wohl mit höheren Einnahmen durch Ryse und Warface gerechnet, aber das hat sich ja leider nicht bestätigt. Für Freunde von Homefront ist positiv anzumerken, dass das Spiel nun definitiv erscheint und immer noch die gleichen Leute daran arbeiten. Für Crytek war es in jedem Fall ein Minusgeschäft. Die Kaufgebühren für die Lizenz und die Kosten für die Entwickler-Gehälter, die über Monate hinweg gezahlt wurden, wird man durch den Verkauf der Marke nicht wieder eingespielt haben. Das eingenommene Geld wird aber auch nicht ewig reichen. Was kommt als nächstes?

 

Crytek kann zum einen weitere Marken veräußern. Ryse ist natürlich eine Option, denn Microsoft ist laut Gerüchten schon länger scharf auf die Lizenz. Eine Marke wie Crysis wird man sicher nicht noch einmal so leicht aus der Hand geben. Eine andere Möglichkeit ist es, einen Teil der Belegschaft zu entlassen. Das ist zwar ein drastischer Schritt, aber wenn man einen Teil entlässt, sichert man für einen anderen Teil auch vorerst die Zukunft. Vielleicht sollte man auch erst mal wieder Auftragsarbeiten für Publisher aufnehmen. Ein neues Far Cry für UbiSoft oder ein Ryse für Microsoft würden mit einer Finanzierung durch den Partner abgesichert werden.

 

Festhalten kann man, dass die Führung von Crytek einige Fehler begangen hat. Wie denkt ihr über die Sache? Welche Gründe seht ihr? Was kann Crytek noch tun, um dagegen zu steuern? Würdet ihr Crytek vermissen? Postet eure Meinung hier in die Kommentare.

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