LevelUp-Review: F1 2015

Die Ampel schaltet auf Grün. Ich starte vom fünften Platz, komme gut weg und kann mich, an Sebastian Vettel vorbei, auf den vierten Platz setzen. In den nächsten Kurven versuche ich Nico Rosberg anzugreifen, um auf den dritten Platz zu rutschen. Da öffnet sich eine Lücke. Ich versuche innen an Rosberg vorbeizuziehen, doch da werde ich am Heck getroffen. Vettel rammt mich aus der Kurve und nach einer Drehung finde ich mich auf dem zwölften Platz wieder. Da kommt eine Meldung von der Rennleitung, ich habe einen Unfall verursacht und bekomme eine Strafe. Am Ende lande ich auf dem achten Platz und ich habe die Erwartungen nicht erfüllt. Dieses Beispiel zeigt euch, dass F1 2015 einige Sachen echt gut macht, aber bei anderen leider immer noch versagt. Also gehen wir der Sache in unserem LevelUp-Review zu F1 2015 auf den Grund.

Auf den ersten Blick in das Hauptmenü folgt auch gleich die erste Ernüchterung. Neben einer Saison, einem schnellen Rennen, dem Zeitfahren und dem Online-Modus gibt es keine weiteren Spielmodi. Einigen von euch wird jetzt aufgefallen sein, dass der Karriere-Modus in meiner Aufzählung fehlt. Und genau das ist der Punkt, der die Ernüchterung bringt. Irgendjemand bei Codemasters muss auf die Idee gekommen sein, dass man den Karriere-Modus in F1 2015 überhaupt nicht braucht. Spielt ja eh keiner. Jetzt stelle ich mir die Frage, ob da wirklich keiner widersprochen hat. Wenigstens dem Hausmeister muss doch aufgefallen sein, dass diese Entscheidung einfach grundlegend falsch war. Für mich war es immer eine spannende Angelegenheit, mir einen eigenen Fahrer zu erstellen und mich dann von den kleinen Teams bis zu den großen Teams vorzuarbeiten, um dann um die Meisterschaft fahren zu können. In F1 2015 kann ich nur noch mit einem realen Fahrer eine einzige Saison fahren. Es ist nett, dass Codemasters, neben der Saison 2015, auch die Saison 2014 in das Spiel integriert hat. Allerdings ändert sich dadurch nicht wirklich viel. Außer ein paar Teamkonstellationen. Dass der Karriere-Modus wegrationalisiert wurde, verhindert auf jeden Fall eine hohe Wertung und auf die Verkaufszahlen wird sich diese Entscheidung auch nicht gerade positiv auswirken.

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Auf der Strecke spielt F1 2015 dagegen seine Stärken aus, obwohl es auch hier Schwachpunkte gibt. Die Fahrphysik überzeugt mich auf jeden Fall. Allerdings werden beinharte Simulations-Puristen etwas enttäuscht werden. Selbst auf höchstem KI-Schwierigkeitsgrad und mit allen Einstellungen auf Simulation gestellt, lässt sich der Wagen verhältnismäßig einfach unter Kontrolle halten. Insgesamt siedelt sich F1 2015 zwischen Simulation und Arcade an, liegt aber eindeutig näher an der Simulation. Für mich ist der Fahrspaß der wichtigste Faktor bei einem Rennspiel. Und genau diesen Faktor erfüllt F1 2015. Die Boliden der unterschiedlichen Teams haben alle ihre Eigenarten und mit kleineren Teams hat man es erheblich schwerer, konkurrenzfähige Rundenzeiten auf den Asphalt zu legen, als zum Beispiel mit dem Mercedes von Nico Rosberg. Auch die verschiedenen Wetterbedingungen wirken sich auf das Fahrverhalten aus. Vor allem bei starkem Regen muss man sich konzentrieren, damit der Wagen nicht von der Strecke abkommt. So muss man sich oftmals während eines laufenden Rennens auf neue Begebenheiten einstellen. Wenn man das Rennen bei Sonnenschein startet und es im Verlauf der Runden anfängt zu regnen, kommt auch Taktik ins Spiel. Wann fahre ich in die Box, um die Reifen zu wechseln? Wie entwickelt sich das Wetter im weiteren Rennverlauf? Dadurch machen die Rennen wirklich Spaß. Die Steuerung trägt auch maßgeblich dazu bei, da man die Wagen jederzeit komplett unter Kontrolle hat.

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Was ich sehr schade finde: Man hat in Saison-Modus nur vorgefertigte Einstellungsmöglichkeiten. Will man Rennen mit 25% der originalen Rennlänge spielen, kann man nur ein Blitz-Qualifying fahren. Das bedeutet, man hat nur eine schnelle Runde die man fährt, nach der sich dann die Startaufstellung richtet. Will man ein richtiges Qualifying fahren, muss man auch die Rennlänge erhöhen. Warum man das nicht manuell einstellen kann, ist genau so eine komische Entscheidung, wie der fehlende Karriere-Modus. Man kann das ganze Problem umgehen, wenn man sich im Modus „schnelles Rennen“ eine eigene Saison zusammenstellt. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht. In den Rennen ist das Strafen-System ein großes Problem. Mehr als einmal habe ich mich gefragt, warum ich eine Strafe erhalte, wenn doch mein Hintermann mich rammt, ohne, dass ich etwas dafür kann. Leider gibt es dieses Problem schon seit dem ersten Serienableger von 2010. Warum es das selbe Problem auch in F1 2015 gibt, erschließt sich mir nicht so ganz. Ohne diesen Fehler wäre das Spiel nochmal erheblich besser, da es mehr Spaß machen würde, sich von hinten nach vorne zu arbeiten. So wird man aber immer wieder sinnlos bestraft. Dadurch steigt nicht gerade der Spielspaß und der Frust nimmt ab und zu Überhand.

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Neuerungen halten sich also bei F1 2015 in Grenzen, allerdings gibt es doch ein neues Feature, das mir überraschenderweise gut gefallen hat. Man kann über Kinect oder ein Headset der Playstation 4 während der Rennen mit dem Team-Ingenieur reden. Durch Sprachbefehle, wie zum Beispiel „Wetterbericht“ oder „Statusbericht“ bekommt man direkt Infos zur ausgewählten Kategorie. Mit einem Druck auf die linke obere Taste des Controllers, werden alle möglichen Befehle angezeigt. Ich bin eigentlich kein Fan davon, mit meiner Konsole zu reden, aber hier funktioniert es einwandfrei. Das liegt daran, dass man während des Rennens alle wichtigen Informationen abrufen kann, ohne aus dem Spielfluss zu geraten. So sinnvoll eingesetzt, sind Sprachbefehle wirklich eine Bereicherung. Ansonsten muss man Neuerungen mit der Lupe suchen. Hier hat Codemasters unbedingt Nachholbedarf für den nächsten Teil. Und natürlich muss der Karriere-Modus zurückkehren. Technisch ist man schon auf einem guten Weg. Das Spiel sieht vor allem im Regen wirklich gut aus und läuft jederzeit flüssig. Allerdings wirkt alles sehr steril. Erstmals ist mir das in Monaco aufgefallen. Bei der anfänglichen Kamerafahrt über die Strecke ist mir aufgefallen, dass sich die Wellen im Wasser nicht bewegen. Dadurch geht einiges an Atmosphäre verloren. Die deutschen Sprecher, allen voran Heiko Wasser, sind zwar nett, gleichen die Atmosphäre allerdings nicht aus, da sich die Sprüche ziemlich oft wiederholen.

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Fazit & Wertung

Benni: „Für mich ist F1 2015 ein zweischneidiges Schwert. Das knappe Angebot an Spielmodi und das unsinnige Strafen-System sorgen bei mir für Frustration. Das Fahrverhalten dagegen macht mir viel Freude. Alle, die unbedingt ein Spiel zur aktuellen Formel 1-Saison wollen, können bedenkenlos zugreifen. Alle anderen sollten allerdings noch ein Jahr warten, damit man ein vollständiges Spiel erhält. F1 2015 wirkt leider so, als habe man unbedingt ein Spiel veröffentlichen wollen, was ich auch verstehen kann. Immerhin kostet die Lizenz viel Geld. Aber eine halbgare Umsetzung schadet vermutlich mehr als sie hilft. Jetzt heißt es abwarten und auf nächstes Jahr hoffen.“

 

Wertung: 70%

 

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