LevelUp-Review – Mittelerde: Mordors Schatten

Ich habe mich gefreut, ich habe mich geärgert, ich habe Triumphe gefeiert und ich habe Uruks verflucht. Dazu kamen in mir Erinnerungen an die Batman Arkham-Reihe, an Assasins Creed und an die bekannte Ubisoft Formel (Türme erklettern, usw) hoch. Warum sich Mordors Schatten für mich richtig anfühlt, erkläre ich euch jetzt.

 

Talion: Mordor Asylum

 

Ich habe mich auf Mordors Schatten gefreut, aber ich war auch skeptisch. Wird das Spielprinzip funktionieren? Wird das Spiel genug Eigenständigkeit bieten? Gibt es nicht schon genug Titel mit dieser Formel? Das sind die Fragen, die sich mir aufgedrängt haben und die meine Vorfreude etwas geschmälert haben. Und einige Fragen kann ich negativ beantworten, aber es gibt ein großes ABER….

 

Das Aber ist das Spielgefühl. Der größte Ideengeber für Mordors Schatten ist zweifelsfrei die Assasins Creed Reihe, die das angesprochene Ubisoft-Prinzip perfektioniert hat, und im Vergleich zu dieser fühlt sich Talions Abenteuer in meinen Augen flüssiger an. Ob mit Ezio, Altair, oder wie sie alle heißen mögen, immer fühlte sich der wendige Assasine wie ein Panzer auf zwei Beinen an. Dagegen ist Talion ein reiner Parkour-Spezialist. Ich habe ständig das Gefühl, die volle Kontrolle zu haben und das fühlt sich gut an. Ich bin während der Testphase nicht einmal an einer Kante hängen geblieben, oder unkontrolliert irgendwo hoch oder runter gesprungen.

Talion und der Geist gehen eine positive Symbiose ein

 

Auch das Kampfsystem macht mir Spaß, auch wenn es sehr polarisierend in der Spielerwelt angesehen wird. Warner hat sich nicht an Assasins Creed orientiert sondern an Rocksteadys Batman Serie. Und das war in meinen Augen eine gute Entscheidung. Ich weiß, dass nicht jeder dieses System mag und viele Spieler sich dagegen aussprechen. Aber im Vergleich mit AC ist es eine Offenbarung. Die Gegner stellen sich nicht im Kreis um einen auf und greifen fein geordnet nacheinander an, sondern es greifen auch mal mehrere Gegner auf einmal an und man hat ständig Bewegung um sich herum. Was das Spielgeschehen angenehm dynamisch macht. Da der Knopf zum kontern angezeigt wird ist das zwar nicht sonderlich anspruchsvoll. Spaß macht es mir aber auf alle Fälle.

 

Splinter Cell? Nicht ganz

 

Jetzt habe ich schon wieder einen Titel eines Spiels ins Spiel gebracht. Auch schleichen gehört zu den Aufgaben in Mordors Schatten. Auch das macht Spaß, ist aber nicht besonders anspruchsvoll. Die Gegner haben nur einen kleinen Sichtkegel, in welchem sie Talion wahrnehmen. Und selbst wenn sie einen auf etwas Distanz sehen, hat man immer noch die Chance, sich schnellstmöglich aus dem Sichtfeld zu verdrücken, ohne das gleich Alarm ausgelöst wird. Auch hier spielt sich Mordors Schatten absolut flüssig und versprüht einen eigenen Charme.

Schleichen ist in Mordor ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg

 

Damit komme ich zur Story. Ich mag die Hobbit- und Herr der Ringe-Filme. Aber ich würde mich nicht als Fan bezeichnen. Und selbst ich fand die Geschichte von Mordors Schatten gut an die Vorlage angelehnt. Für richtige Fans wird es eine richtige Freude sein. Man trifft auf bekannte Charaktere, wie zum Beispiel Gollum, der seine originale deutsche und englische (Andy Serkis) Synchronstimme hat, und erlebt den Zeitraum zwischen der Hobbit-Saga und der Heer der Ringe-Saga aus einer bisher unbekannten Perspektive. Hintergrund der Story ist folgender: Die Familie von Talion wurde von Saurons schwarzer Hand ermordet. Talion eigentlich auch. Aber es muss ja irgendwas passieren, damit er weiter lebt. Ansonsten wäre das Spiel ja schon nach dem Vorspann zu Ende. Also ergreift ein Geist Besitz von Talion und hält ihn dadurch am Leben. Der Rachefeldzug kann beginnen.

 

Die Fähigkeiten, die der Geist einem verleiht, sind sehr vorteilhaft. Man kann zum Beispiel von hohen Gebäuden springen ohne einen Heuwagen unter sich zu benötigen. Dazu ist der Geist ein geübter Bogenschütze und dank Bullet-Time (hat da jemand Max Payne gesagt?) kann man Uruks nacheinander mit Kopfschüssen ausschalten. Auch die Geisteskontrolle von Gegnern ist hilfreich und wird später essentiell für die Story von Mordors Schatten. Und das Beste erzähle ich euch jetzt. Wenn Talion stirbt, erwacht er einfach an einem erklommenen Turm wieder und lebt weiter. Ich fange an Türme zu hassen, aber mit diesem Kniff kann ich gut leben.

 

S.T.A.R.S.!

 

Okay, der Vergleich zu Resident Evil ist weit hergeholt, gebe ich zu. Aber das am meisten beworbene System in Mordors Schatten heißt Nemesis-System. Jetzt wisst ihr, wo der Vergleich herkommt. Die Entwickler haben sich Mühe gegeben, um Nemesis als etwas Neues, Revolutionäres und Tolles zu verkaufen. Das ist es meiner Meinung nach aber nicht. Man hat einen Überblick über die Armee der Uruks und sieht jederzeit, welche Änderungen sich durch unsere Handlungen ergeben. Da werden Gegner befördert und tragen Machtkämpfe untereinander aus. Nett, aber ansonsten ist es mir eigentlich egal, wer da in der Hierarchie der Uruks oben steht und wer nicht.

Durch das Nemesis-System bekommen die Gegner ein Profil

 

Später kann (muss) man selbst Einfluss auf den Verlauf nehmen und da versprüht das System wirklich Dynamik und Spaß, aber das hätte man früher einfügen sollen. Verbesserungsvorschlag für Teil 2. Da die Gegner sich ansonsten frei in der Welt bewegen, kann es aber auch sehr nervig werden. Ich gebe euch ein Beispiel: Ich habe einen Uruk als Ziel und befinde mich im Kampf mit ihm. Dann kommt zufällig ein weiterer vorbei, samt seinen Gefolgsleuten und kurz darauf ein dritter, der auch noch auf mich einprügelt. Das macht keinen Spaß, sorgt aber auch für Unberechenbarkeit.

 

Neben der Story, gibt es natürlich auch haufenweise Nebenaufgaben. Und ich bin anfällig für Sidequests. Sammelkram hier und da, Sklaven befreien, Türme erklimmen und Waffen aufwerten. All das motiviert mich ungemein, auch wenn ich nicht genau weiß warum. Wer alles erleben will, ist nach meiner Einschätzung 25-30 Stunden beschäftigt. Für die Story kann man 10-12 Stunden einrechnen. Es gibt 2 Gebiete, zwischen denen man nach einiger Zeit frei wechseln kann. Das eine ist braun und bergig, das andere grün und waldig. Das sind eigentlich die größten Unterschiede, auch hier kann man sich bei einem zweiten Teil mehr Mühe geben.

Lord_Drake hat für euch ein Video-Review erstellt.

 

Fazit & Wertung

 

Etzloets: Ihr habt meine Meinung ja schon dem Text gelesen. Ich fasse hier aber noch mal kurz zusammen. Ich hatte viel Spaß mit Mordors Schatten. Das liegt am flüssigen Gameplay und daran, dass man die guten Sachen aus verschiedenen Spielen übernommen und die schwächen umgangen hat. Dem Spiel fehlt etwas die Eigenständigkeit, da kann man noch dran arbeiten. Aber man hat etwas geschaffen, auf dem man aufbauen kann. Das Nemesis-System bietet Potential, wird aber bei Mordors Schatten zu spät wirklich relevant. Hier hätte man früher mit arbeiten müssen. Alles in allem empfinde ich das Spielgerüst aber als rund und es macht Spaß. Alles andere ist egal.

 

 

85% by Etzloets

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