LevelUp-Review – The Witcher 3: Wild Hunt

Unsere neue Homepage ist gestartet und wir beginnen gleich mit einem Kracher. Ich habe mir The Witcher 3 angeschaut. Ganz genau angeschaut, kann man schon sagen, aber ich will euch nicht anlügen, ich habe den Abspann noch nicht erreicht. Ich habe jedoch einige Stunden auf dem Tacho und viele Quests erledigt. Und mit vielen Quests meine ich einen richtig großen Haufen an Missionen.


 

Auf geht es!

Unsere Reise in The Witcher 3 startet fast schon ruhig und friedlich. Man kann mehr über die Hintergründe erfahren, wenn man das möchte und die richtigen Antwortmöglichkeiten auswählt. Dazu lernt man die ersten Mechaniken kennen. Schon in diesen ersten Momenten wird deutlich, Die Spielwelt von The Witcher 3 ist absolut einladend und interessant gestaltet.  Bereits auf den ersten paar Metern konnte ich nicht damit aufhören, mich umzusehen und abseits des Weges nach Sachen Ausschau zu halten. Spieler mit Entdeckerdrang werden so viel zu erkunden haben, dass man sie wahrscheinlich tagelang nicht mehr sehen wird.

Die Story von The Witcher 3 handelt von Geralts Suche nach Yennefer und Ciri. Erinnern wir uns mal zurück: In Teil 2 hatte Gerlt sein Gedächtnis verloren. Nun hat er es zurück und er will seine alte Liebe und seine Ziehtochter wiedersehen. Die Vorgänger muss man nicht unbedingt gespielt haben, um der Handlung folgen zu können, dennoch trifft man immer mal wieder Charaktere aus den Vorgängern. Auch mit Anspielungen wird nicht gegeizt. Wer sich mit der Welt des Hexers auseinandersetzen möchte, dem seien noch die Bücher empfohlen, aber Pflicht ist das alles nicht. Man kann durchaus auch ohne diese Hintergründe viel Spaß mit The Witcher 3 haben.

Was zu der tollen Spielwelt beiträgt, sind die tollen Quests. Die Quest-Designer von CD Projekt Red haben ganze Arbeit geleistet. Nahezu jede Quest hat eine eigene kleine Geschichte, die oftmals mit anderen Missionen verflechtet ist. Die Baron-Quest, ohne Spoiler, verbindet 3 unterschiedliche Quest-Stränge und führt sie zum Finale. Ich habe so gut wie keine Mission gefunden, bei der Person A gesagt hat, hol mir mal Gegenstand B und ich nur das erledigen musste. Verwirrungen und Twists stehen an der Tagesordnung und das macht das Questen zur spaßigen Angelegenheit. Auch die kleinen Geschichten am Wegesrand tragen zu einer lebendigen Spielwelt bei. So passieren viele Dinge nebenbei, auf die man im Vorbeigehen stößt. Nach einer kleinen Quest passiert zum Beispiel etwas mit der Person, die man vorher noch getroffen hat. Das macht die Welt von The Witcher 3 wirklich lebendig.


Unser Level 32 Hexer

Unser Level 32 Hexer

Dich kriege ich noch

Eine kleine Einschränkung gibt es allerdings bei den Hexer-Aufträgen. Auch diese sind prinzipiell sehr spannend, da man in ihnen die verschiedensten Monster jagt. Greife, Golems, Mittagserscheinungen und vieles mehr trifft und bekämpft man hier. Es gibt aber  eine wiederkehrende Komponente, die sich leider leicht abnutzt. So muss man mit der Hexersicht, ein Detektiv-Sinn, ähnlich dem aus den Batman Spielen, ein Gebiet nach Hinweisen absuchen und meistens einer Spur folgen. Da das immer nach dem gleichen Prinzip abläuft, kann das ermüdend werden. Durch die vielen anderen Quests wird das zwar abgefedert, aber schade ist es trotzdem.

Was ich persönlich super finde ist, dass es keine mitlevelnden Gegner gibt. Es passiert öfter, dass man auf Gegner trifft, die einfach zu stark für einen sind. Dann heißt es aufleveln, bessere Ausrüstung finden und später wiederkommen um genau diesem Gegner, der einen vorher umgepustet hat, auf die Nase zu hauen. Oder auf was anderes, wenn das Vieh keine Nase hat. Dadurch entwickelt sich ein richtiges Glücksgefühl und man wird merklich stärker. Endlich lohnt sich das Aufleveln und die Suche nach besserer Ausrüstung wieder.

Um aufzuleveln, muss man die Quests spielen. Für das simple Erlegen von Gegnern gibt es kaum Erfahrungspunkte. Das ist etwas schade, aber zum Glück sind die Quests ja so spannend. Durch Aufsteigen im Level kann man Fähigkeiten aufbessern. Dazu zählen Kampftechniken, wie starke und schwere Angriffe, Magie, wie die Feuerfähigkeit Igni, sowie allgemeine Fähigkeiten, alle 50 Lebenspunkte mehr. Die meisten dieser Fähigkeiten sind in mehreren Stufen aufwertbar. Man muss sie ausrüsten, um sie zu aktivieren. Dazu hat man 12 Slots zur Verfügung, also kann man sich seinen Charakter individuell anpassen, wenn auch nur leicht.

Technisch gesehen ist The Witcher ein toller Titel, der aber mit kleineren Schwächen zu kämpfen hat. Wetterumschwung, im Wind wehende Bäume, toll designte Dörfer und Städte und magische Effekte. All das sind Sachen, die positiv herausstechen. Gelegentliche Einbrüche der Framerate und eine zu kleine Schrift stehen auf der Minus-Seite. Mir ist es auch 2 mal passiert, dass ich in eine Stelle geraten bin, aus der ich nicht mehr herauskam. Das ist zwar ärgerlich, aber da man schnell manuell speichern kann und das Spiel zudem sehr oft Auto.Saves erstellt, hält sich der Ärger in Grenzen. Hier darf CD Projekt Red allerdings gerne noch die Patch-Keule schwingen und an der Performance sowie den Fehlern arbeiten.


Die Grafik und Details sind absolut fantastisch!

Die Grafik und Details sind absolut fantastisch!


Ich bin über 18

Das Spiel spielt in einer rauen Welt. Erwachsene Themen stehen auf der Tagesordnung. Gewalt und Rassen-Diskriminierung bilden dabei die Speerspitze. Dadurch habe ich sehr vorsichtig reagiert, was meine getroffenen Entscheidungen anbelangt. Man kann nie vorhersagen, welche Auswirkungen die Antwort haben wird, die man seinem Gegenüber gibt. Mehrmals saß ich vor dem Bildschirm und habe hin und her überlegt, was wohl passieren würde, wenn ich meine favorisierte Antwort gäbe. Und auch in diesen Situationen spielt The Witcher 3 mit den Erwartungen und entwickelt sich doch ganz anders, als man es geplant hatte. So ergeben sich viele Situationen, die im Gedächtnis hängen bleiben und auch Diskussionen mit Freunden über The Witcher 3 arten in Geschichten über tolle Momente aus.

Ich würde euch da gerne so viel erzählen, aber da ich Spoiler vermeiden will (okay, im nächsten Absatz klappt das nicht ganz), werde ich davon absehen. Ihr könnt allerdings sicher sein, dass das Spiel viele Geschichten erzählt, an die ihr auch einige Zeit später noch denken werdet, und das trägt viel zur einzigartigen Atmosphäre des Spiels bei.

Die Suche nach Yennefer und Ciri ist spannend gestaltet. Kleiner Spoiler, den aber schon so gut wie alle Magazine vorweggenommen haben: Man darf Ciri auch selbst steuern. Da sie sich nicht wegrollt, sondern teleportiert und auch flinker ist als Geralt, spielen sich ihre kurzen Abschnitte komplett anders und machen eine Menge Spaß. Die Haupt-Quests drehen sich also primär um die Suche und sind, genau wie die Nebenquests, wirklich toll gestaltet. Wie lange ein reines Durchspielen dauert, kann ich noch nicht abschätzen, da ich wie gesagt  nicht durch bin, allerdings wird die Spielzeit locker dreistellig, wenn man sich in die Welt ziehen lässt. Hier bekommt man etwas für sein Geld.

Wahnsinn!

Wahnsinn!


Fazit & Wertung

Benni: Ich habe lange kein Spiel mehr gespielt, das mich so in Anspruch genommen hat. Meine Sessions mit dem Titel werden immer länger, als ich es eigentlich geplant hatte, weil das typische „Die Quest noch”-Gefühl sich einstellt. Und zack, ist es 3 Uhr nachts. Wenn ein Spiel es schafft, mich vom schlafen abzuhalten, ist das definitiv ein Qualitätsmerkmal. Die Thematiken, denen The Witcher 3 sich annimmt tragen sehr dazu bei. Ich leide mit den Anderlingen, wenn sie wie Dreck behandelt werden, vor allem weil man als Hexer auch in diese Ecke gedrückt wird. Der Unterschied ist, man kann sich wehren und so wird man schnell zum Schutzengel.

Auch die Jagd nach Ausrüstung motiviert mich. Waffen und Rüstung finden, verbessern und aufwerten machen mir eine Menge Spaß und wenn man dann zu einem Gegner kommt, der einem früher mit einem Schlag umgepustet hat, ist das Glücks-Gefühl umso größer, wenn man den Brocken endlich gepackt hat. So machen Rollenspiele Spaß!

Für mich ist The Witcher 3 das, bis jetzt, beste Spiel der aktuellen Generation. Und um an der Krone zu rütteln, müssen sich zukünftige Produktionen schon verdammt ins Zeug legen.

Aber ich habe jetzt genug geschwärmt, ich muss spielen gehen.


Jablo: Also gut, gib mir die Münze – Kopf wir misten den Stall aus, Zahl wir gehen Titten grabschen” „Einen Wurf? Bist du doof?” „Natürlich nicht, wir werfen solange bis wir kriegen was wir wollen.” – Zwei Wachen Ja, der Ton von The Witcher 3 ist rau. Sehr rau und blutig. Es wird kein Blatt vor den Mund genommen. Und dadurch wirkt die Welt von Witcher 3 auch so authentisch. Viele Themen wie Prostitution, Mord, Rassismus und Armut werden sehr detailliert und vor allem erwachsen dargestellt – dadurch entsteht eine bedrückende Atmosphäre, die einen aber sofort mitreißt und viele Emotionen zulässt.

Ganz besonders die Charaktere des Witcher-Universums haben es mir angetan. Selten habe ich so tiefe Bindung zu NPCs entwickelt. Das liegt vor allem daran, dass fast jede Figur ihre eigene Geschichte erzählt, die viele Facetten hat und es kein einfaches Schwarz und Weiß gibt. Oft stand ich mit einem großen Fragezeichen vor Entscheidungen, da die Konsequenzen vielfältig sein könnten und letztendlich auch waren. CD Project hat es perfekt geschafft, die Figuren aus den Büchern in lebendige und authentische Figuren zu verwandeln. Selbst feindlich gesinnte Charaktere sind nicht einfach nur böse – nein, sie haben ihre Gründe und Ambitionen. Dadurch wird das Feindbild kein einfaches Ziel, sondern fordert die essenzielle Frage für das Für und Wider. „Mögen seine Methoden brutal sein, aber seine Ziele nachvollziehbar?” The Witcher 3 stellt einen oft vor harte Entscheidungen und liefert ebenso harte Konsequenzen. Das ist in meinen Augen bisher absolute Referenz in der Videospielbranche.

Auch die zahlreichen Romanzen, wie man sie sonst nur aus den Bioware Spielen kennt sind unglaublich stark ausgearbeitet. Es ist keine einfache Nebenaktivität, die man verfolgt. Es ist eine Geschichte, ein Abenteuer und bindet auch zusätzlich an die Charaktere. Und wo wir bei Geschichte sind. Davon gibt´s viele – sehr sehr viele! Und jede hat ihren eigenen Spannungsbogen. Man wird von Quests stellenweise erschlagen, viele Handlungsstränge verzweigen sich und führen doch letztendlich wieder zusammen. Dabei sind die Quests keine einfachen „Hol und Bring”-Aufgaben, sondern eigene, kleine und große Geschichten über Verlust, Trauer, Mord, Verzweiflung und Hass. Jede einzelne Geschichte wäre eine eigene Hauptquest wert – so verdammt gut sind sie geschrieben. Wo wir gerade über die Hauptquest sprechen. Die kommt bei den
zahlreichen Geschichten und Abenteuern auch keines falls zu kurz. Geschickt ist sie als roter Faden mit der Welt verknüpft, ständig präsent und verbunden mit den anderen Geschichten. Das Kampfsystem ist in den ersten Stunden etwas hektisch und gewöhnungsbedürftig. Mit der Zeit bekommt man aber ein Gefühl dafür und lernt auch die Mechaniken der Gegner kennen. Zusätzlich erleichtern spezielle Tränke und Öle die Kämpfe gegen besonders robuste und aggressive Gegner. Meist sind dies Gegner aus speziellen Hexeraufträgen, die eine Art Jagd auf ein bestimmtes Monster oder einen Geist einleiten. Nicht selten musste ich dabei an Dean und Sam aus Supernatural denken. Die Methoden sind häufig sehr ähnlich. So wird Bewohnern empfohlen, Salz vor die Tür zu streuen, um böse Geister fern zuhalten, oder man selbst macht sich auf die Suche, nach Überresten von einst Lebenden, die nun als Geister toben, um sie zu ihrer letzten Ruhe zu führen. Und letztendlich bleibt noch das Rollenspiel-typische Charaktersystem. Man sammelt Erfahrung durch Quests und Gegner. Mal mehr – mal weniger und entwickelt sich so nach und nach zum ultimativen Hexer. Es gibt viele Schemas, Kräuter und Handwerksmaterialien, um Rüstungen zu schmieden und Tränke zu brauen. Ähnlich wie in anderen Genrevertreten verursacht grade diese Charakterentwicklung durch die Talentbäume und Mutagene sowie diverse Rüstungen und Sets einen höchst motivierenden Charakterfortschritt. Bevor ich jetzt einen endlosen Roman fortführe, möchte ich nur noch einmal verdeutlichen, dass The Witcher 3: Wild Hunt für mich ein absolutes Meisterwerk und einen Ausnahmetitel darstellt. Selten habe ich so viele Spielstunden am Tag mit einem Spiel verbracht – und das ohne Ermüdungserscheinungen. Danke CD PROJECT RED für dieses Spiel!


Marc: Der König ist tod, lang lebe der König!

The Witcher 3 ist unbestritten der neue König der Open-World RPGs. The Witcher 3 trumpft einfach in jedem Gebiet auf und lässt die Konkurrenten und alteingesessenen Größen des Genres hinter sich. Angefangen mit der tollen Welt, gibt es viele unterschiedliche Gebiete, wie zum Beispiel dichte Wälder, eisige Inseln, weite Steppen und neblige Sümpfe. Jedes Gebiet fühlt sich lebendig und authentisch an.

Spielerisch überzeugt The Witcher 3 beispielsweise mit einem tollen Kampfsystem, das einfach zu lernen, aber hart zu meistern ist. Die Steuerung könnte bei normalen Bewegungen und Drehungen allerdings etwas flüssiger von der Hand gehen. Hat man sich daran gewöhnt, kommt man jedoch auch damit sehr gut zurecht.

Die Sprachausgabe ist auch sehr gut gelungen, wobei ich sagen muss, dass die deutsche Lokalisierung hervorragend gelungen ist und ich sie der englischen gegenüber bevorzuge. Beide sind sehr gut und in den meisten Fällen sehr hochwertig, aber als neutraler „Genießer”, der keine Abneigung gegenüber einer bestimmten Sprachversion hat, muss ich gestehen, dass mir die deutsche Lokalisierung da doch besser gefällt.

Ansonsten muss man die Hintergrundmusik loben. Sie stellt sich nie in den Vordergrund und wurde sehr stimmig eingesetzt. So kann man noch intensiver und tiefer in die Welt von The Witcher 3 eintauchen. Die Soundeffekte sind auch sehr gut gelungen. Das klirren der Schwerter, die Schreie der Monster und Geräusche der Umgebung sind allesamt sehr gut abgestimmt. Hier gibt es kaum etwas zu meckern.

Bei all dem Positiven gibt es natürlich auch negative Aspekte im Spiel. Die von mir gelobte Musik pausiert nach Ablauf des Stücks für einige Minuten. So entsteht Leerlauf und man wird aus der Welt herausgerissen, weil der Gedanke aufkommen kann: „Hey hier fehlt doch gerade was.“

Zudem gibt es, so schön und flüssig das Spiel auch ist, einige Grafikbugs. Gliedmaßen von unwichtigen NPC’s fliegen neben dem Torso, Ganze Gesichter fehlen an wenigen Stellen und das Haupthaar ist auch schon einige Zentimeter hinter meinem Kopf hergeflogen.

Was ich auch kritisiere, ist die viel zu kleine Schrift in den Menüs und bei Itembeschreibungen. Dafür wird es allerdings einen Patch geben.

Alles in allem ist The Witcher 3 das wohl bisher qualitativ hochwertigste und umfangreichste Spiel der aktuellen Konsolengeneration und eines der besten Spiele überhaupt. Es gibt hunderte Quests die eine enorme Langzeitmotivation bieten und eine Welt, in die man sich einfach fallen lassen kann.

 

Wertung: 94%

 

Über Mike

Mike (semiBJoker) ist Mediaist aus Leidenschaft. Medien Sind sein Leben, weswegen er diese auch zu seiner Berufung machte. So arbeitet er, wenn er nicht gerade bei den Heroes ist in Köln als Kommunikationsdesigner. Für ihn macht es keinen Unterschied, ob Film, Serie, Musik, Buch, oder Games. Für Mike sind alle Medien gleich.